Steuerberater Hansjörg Bay - Unternehmensführungslexikon
Rechnungswesen | Marketing | Organisation | Controlling
Management Support System
Controlling » Management Support System:
1. ÜberblickManagement Support Systeme, die auch als
Managementunterstützungssysteme bezeichnet werden, sind der Oberbegriff
für aller Einsatzformen von Informations- und
Kommunikationstechnologien (IuK) zur Unterstützung von Fach- und
Führungskräften.
Management-Support-Systeme sind fast so alt wie
die zentrale Datenverarbeitung: Schon bald nach Einsatz von Datenbanken
entstand der Wunsch nach Software, die dem Management die für Analyse und
Planung benötigten Informationen zeitnah zur Verfügung stellt. Die
zunächst euphorischen Versuche zur Entwicklung solcher Systeme in den
Sechzigerjahren scheiterten jedoch, weil die Speicher- und
Verarbeitungskapazitäten der Hardware nicht ausreichte und die
eingesetzten Programmiertools sich als ungeeignet erwiesen.
Die
Informationen, die von Management Support Systemen bereitgestellt werden,
sind sowohl unternehmensinterner als auch unternehmensexterner Art.
Unternehmensinterne Informationen stammen zum größten Teil aus den
operativen Anwendungssystemen der einzelnen Funktionsbereiche wie
Rechnungswesen, Produktion, Vertrieb, Personalabteilung oder auch Controlling. Als operative
Anwendungssysteme werden in der Industrie vorwiegend PPS-Systeme (PPS-System), im Handel überwiegend
Warenwirtschaftssysteme eingesetzt. Problemrelevante Daten dieser Systeme
gehen in verdichteter Form in die Management Support Systeme ein.
Unternehmensexterne Daten werden von verschiedenen Quellen außerhalb
des Unternehmens bereitgestellt. In Frage kommen hier vor allem
Wirtschafts-, Markt- und Branchendaten, die über elektronische Medien
entweder offline (zum Beispiel CD-ROM) oder online (zum Beispiel
Internet, Online-Datenbanken) genutzt werden sollen.
Dementsprechend müssen Management Support Systeme über geeignete
Schnittstellen verfügen, um auch solche Informationen zur verarbeiten.
2. Arten von Management Support Systemen
Management-Informationssysteme und EIS
Sowohl
Management-Informationssysteme als auch Executive Information Systems (EIS)
stellen spezielle Ausprägungen von Management Support Systemen dar, sind
aber beide eher datenorientiert und dienen vor allem der
Informationsversorgung.
Aus historischer Sicht stellen die
Management-Informationssysteme, die im Allgemeinen kurz als "MIS"
bezeichnet werden, die Ersten Bemühungen um eine EDV-Unterstützung des
Managements dar. Auslöser war die Abspeicherung immer größerer Datenmengen
und der hieraus resultierende Wunsch nach automatisch generierten
Führungsdaten. Dementsprechend übernehmen Management-Informationssysteme
detaillierte und verdichtete Informationen aus den operativen Systemen und
stellen diese entweder in periodischen Berichtssystemen oder nach gezielter
Abfrage dar.
Bei Executive Information Systems handelt es sich
um rechnergestützte, dialog- und datenorientierte Informationssysteme, die
einzelnen Entscheidungsträgern aktuelle entscheidungsrelevante interne und
externe Informationen anbieten. Die Hauptfunktionen lassen sich wie folgt
beschreiben:
Die so genannte
Exception-Reporting-Funktion übernimmt als Überwachungs- und
Kontrollinstrument die Aufgabe, die entsprechenden Mitarbeiter frühzeitig
auf Soll-Ist-Abweichungen aufmerksam zu machen. Bei der Datenpräsentation
werden zur Verdeutlichung des Ausmaßes von Abweichungen im Allgemeinen
unterschiedliche Farben eingesetzt.
Durch das
Drill-Down-Verfahren können relevante Sachverhalte auf frei
wählbaren Verdichtungsstufen visualisiert und Detailinformationen gezielt
abgerufen werden.
Bei der Suche in den vorhandenen
Datenbeständen dient der so genannte Navigator als
Orientierungshilfe. Darüber hinaus wird der für die Informationsrecherche
beschrittene Weg dokumentiert.
Über den
News-Bereich werden die am EIS beteiligten Mitarbeiter sowohl mit
unternehmensinternen als auch mit unternehmensexternen Daten versorgt.
Um Zahlenwerte methodisch für Prognosen aufbereiten
zu können, stellen EIS im Allgemeinen ein entsprechendes Instrumentarium
zur Verfügung.
Über E-Mail-Funktionen werden
Nachrichten auf elektronischem Weg versendet und empfangen (Electronic
Mailbox System).
Durch das so genannte
"paperclip" wird das Weiterleiten von Dokumenten mit persönlichen
Markierungen und Randbemerkungen ermöglicht.
EIS
werden als Weiterentwicklung von Management-Informationssystemen gesehen
und bieten hervorragende Unterstützungsmöglichkeiten für das Management
und Controlling. Im Vergleich zu den
Decision Support Systemen (DSS) sind sie jedoch eher methodenarm.
Executive Support System
Der Begriff Executive Support
System wird oft mit Executive
Information System gleichgesetzt. Der hier gemeinte Support geht
aber über die reine Informationsbereitstellung hinaus. Am ehesten können
diese Systeme als Zusammenfassung von Executive Information System und dem
im Anschluss vorgestellten Decision
Support System charakterisiert werden.
3. Decision Support SystemAnders als
Management-Informationssysteme und Executive Information Systeme orientieren sich
Decision Support Systeme (Decision
Support System), die auch als DSS oder
Entscheidungsunterstützungssysteme (EUS) bezeichnet werden, stärker am
Verhalten des Entscheidungsträgers bei der Lösung von Fachproblemen.
Dementsprechend steht auch nicht die Informationsversorgung, sondern die
effektive Unterstützung im Planungs- und Entscheidungsprozess im
Vordergrund der Decision Support Systeme.
Für diese Form der
Management Support Systeme ist vor allem die ausgeprägte Modell- und
Methodenorientierung charakteristisch. Daher besitzen diese Systeme neben
der eigentlichen Datenbank noch eine Modelldatenbank und eine
Methodenbank, in denen die Modelle bzw. Methoden für die Planung
und Entscheidungsunterstützung gespeichert und verwaltet werden.
Häufig basieren Decision Support Systeme auf leistungsfähigen
Planungssprachen und Tabellenkalkulationsprogrammen, die Schnittstellen zu
mächtigen Datenbanksystemen aufweisen.
4.
Data-Warehouse-SystemeEs gehört zu den wichtigsten Aufgaben von
Management Support Systemen, problemrelevante Informationen den
entsprechenden Führungskräften zeitnah zur Verfügung zu stellen. Die
Sammlung, Verdichtung und Selektion dieser entscheidungsrelevanten
Informationen kann dabei nur auf der Basis einer konsistenten
unternehmensweiten Datenhaltung durchgeführt werden. Bedingt durch die
Heterogenität der im Unternehmen eingesetzten Systeme müssen die Daten
aber im Allgemeinen aus den unterschiedlichen Systemplattformen
zusammengetragen werden. Dieser Aspekt wird unter der Bezeichnung "Data
Warehouse" zurzeit heftig diskutiert.
Data-Warehouse-Systeme
greifen auf unterschiedliche Datenquellen (beispielsweise verschiedene
Datenbanksysteme) zu und haben die Aufgabe, Informationen aus diesen
verschiedenen Systemen zu sammeln, zusammenzufassen und zu präsentieren.
Dabei sind sowohl strukturierte und unstrukturierte als auch
unternehmensinterne und unternehmensexterne Daten zu berücksichtigen. Nach
Zusammentragen der erforderlichen Informationen sind diese
themenorientiert und inhaltsorientiert aufzubereiten, wobei
nicht nur die aktuellen Werte berücksichtigt werden, sondern auch auf
historische Daten zurückgegriffen wird. Im Gegensatz zu den anderen
Management Support Systemen bieten Data-Warehouse-Systeme damit wichtige
Instrumente für das Unternehmens- bzw. Informationsmanagement.
Durch die themen- bzw. inhaltsorientierte Datenzusammenführung wird
die Gefahr einer "Informationsüberfrachtung" vermieden oder zumindest
vermindert.
Bei der Übernahme der Daten aus den operativen
Systemen werden diese mithilfe von Transformationsprogrammen zur Schaffung
der benötigten Kompatibilität umgewandelt. Die Aktualisierungsfrequenz ist
dabei abhängig von der Art des Unternehmens und den dort gestellten
Anforderungen. Heute eingesetzte Systeme können den Datenabgleich
wahlweise tage-, wochen- oder monatsweise durchführen.
Für den
praktischen Einsatz von Data-Warehouse-Systemen spielen Analyse- und
Visualisierungstools eine wichtige Rolle. Dementsprechend enthalten
solche Systeme Werkzeugsammlungen mit Programmen zur multimedialen
Darstellung komplexer Zusammenhänge. Mit ihrer Hilfe lassen sich im
Allgemeinen auf einfache Weise auch komplexe Abfragen ohne
Programmierarbeiten auf grafischem Wege formulieren.
Bedingt durch
steigende Anforderungen an die Verfügbarkeit von Informationen ist die Zahl
der Einsatzgebiete von Data-Warehouse-Konzepten sehr groß.
5.
Allgemeine Anforderungen an Management Support SystemeAn alle hier
vorgestellten Management Support Systeme werden folgende Anforderungen
gestellt:
Das Management Support System soll die
angeschlossenen Mitarbeiter auch bei ihren allgemeinen Tätigkeiten
unterstützen. Wünschenswert ist daher die Integration einer
Textverarbeitung, einer Tabellenkalkulation, einer Grafikbearbeitung und
eines Terminplaners.
Des Weiteren sollte das
Managementunterstützungssystem eine Möglichkeit zur Kommunikation
innerhalb und außerhalb des Unternehmens bieten. Informationen, bei denen
es sich um Texte, Daten oder Grafiken handeln kann, müssen hierzu
jederzeit versandt und empfangen werden können.
Das
jeweilige System muss gewährleisten, dass in einfacher und schneller Form
auf die gewünschten Daten zugegriffen werden kann. Der Informationsbegriff
ist dabei entsprechend weit auszulegen, sodass er sich nicht nur auf Daten
im engeren Sinn, sondern auch auf Grafiken, Dokumente, Abbildungen usw.
bezieht.
Neben der Verarbeitung von internen
Unternehmensdaten muss das Management Support System über Schnittstellen
zur Einbindung von unternehmensexternen Daten verfügen.
Durch geeignete Techniken bzw. Werkzeuge soll das eingesetzte System
den Entscheidungsträger bei der Planung, Entscheidung und Kontrolle
unterstützen. Hierzu ist das System entsprechend benutzerfreundlich
anzulegen.
Das Management Support System muss das
Arbeiten in Gruppen und Projektteams unterstützen. Die integrierte bzw.
integrierbare so genannte "Groupware" (Software für die Arbeit in
Gruppen) muss daher gewährleisten, dass betriebliche Vorgänge von mehreren
Personen in verteilten Systemen bearbeitet werden können (distributed
processing).
6. EntwicklungstendenzenBereits
mit den Data-Warehouse-Systemen wurde ein neuer Ansatz moderner
analyseorientierter Anwendungssysteme aufgezeigt. Weitere
Leistungssteigerungen sind durch wissensbasierte bzw. Expertensysteme zu
erreichen. Auch die so genannten Knowledge Based Decision Support Systeme
(KBDSS) stellen einen neuen innovativen Ansatz zur
Entscheidungsunterstützung dar.
Weitere Leistungssteigerungen
erhofft man sich ebenfalls von lernenden und neuronalen Systemen, die
voraussichtlich einen großen Einfluss auf zukünftige Entwicklungen im
Bereich analyseorientierter Anwendungssysteme haben werden. Speziell die
Konzepte des Data Mining eröffnen ein hohes Erfolgspotenzial für
die Informationsrecherche, Informationsaufbereitung und
Informationsanalyse. Darüber hinaus werden zukünftig wohl auch
Multimediasysteme eine wichtigere Rolle in der DV-Anwendung spielen.
Schließlich werden auch noch die Fortschritte im Bereich der
Kommunikationssysteme in Internet und Intranet die weitere Entwicklung
entscheidend mitbestimmen.

